
- von bleeme. Redaktion
Immunsystem stärken: was Studien zeigen
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Ratgeber / Nährstoffwissen
Die kurze Antwort: Ein gesundes Immunsystem lässt sich nicht beliebig „hochdrehen“ – und das ist gut so, denn ein überaktives Immunsystem führt zu Allergien und Autoimmunerkrankungen. Was nachweislich hilft, ist unspektakulär: ausreichend Schlaf, regelmäßige moderate Bewegung, Impfungen, nicht rauchen, chronischen Stress begrenzen und keine Nährstofflücken entstehen lassen. Für die meisten Hausmittel ist die Datenlage dagegen dünn.
Das Immunsystem ist kein Muskel, der mit mehr Training immer stärker wird, sondern ein Regelkreis. Es besteht aus zwei Armen: Die angeborene Abwehr reagiert sofort und unspezifisch – Fresszellen, Entzündung, Fieber. Die erworbene Abwehr lernt: Sie bildet Antikörper und Gedächtniszellen, die einen Erreger beim zweiten Kontakt schneller erkennen.
Ein gesundes Immunsystem reagiert angemessen: kräftig auf Erreger, gar nicht auf Pollen oder körpereigenes Gewebe. Das Ziel ist deshalb: die Voraussetzungen schaffen, damit es normal arbeiten kann – und alles vermeiden, was es nachweislich schwächt.
Einordnung für den Alltag: Erwachsene haben im Schnitt zwei bis drei Erkältungen im Jahr, Kinder deutlich mehr. Das ist kein Zeichen eines schwachen Immunsystems. Aufmerksam werden solltest du bei ungewöhnlich häufigen, schweren oder lange anhaltenden Infekten oder bei Infektionen mit ungewöhnlichen Erregern – das gehört ärztlich abgeklärt.
In einer Studie der University of California tropften Forschende 164 gesunden Erwachsenen Erkältungsviren in die Nase, nachdem sie eine Woche lang deren Schlaf gemessen hatten. Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schlief, erkrankte 4,2-mal so häufig wie Teilnehmende mit mehr als sieben Stunden – unabhängig von Alter, Stress und anderen Faktoren. Im Schlaf werden Botenstoffe der Immunabwehr ausgeschüttet und Gedächtniszellen gefestigt. Wer schlecht einschläft, findet im Beitrag Was hilft beim Einschlafen? eine praktische Übersicht.
In einer Beobachtungsstudie mit 1.002 Erwachsenen hatten Menschen, die an fünf oder mehr Tagen pro Woche aerob aktiv waren, über einen Herbst und Winter 43 % weniger Tage mit Atemwegsinfekten als Menschen, die sich höchstens an einem Tag bewegten. Wichtig ist das Wort moderat: Sehr lange, erschöpfende Belastungen wie Marathons gehen kurzfristig mit einem höheren Infektrisiko einher.
Eine Impfung ist im Wortsinn ein Training der erworbenen Abwehr: Das Immunsystem lernt einen Erreger kennen, ohne die Krankheit durchmachen zu müssen. Für die Grippe- und Infektsaison sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission der Maßstab.
Rauchen schädigt die Flimmerhärchen der Atemwege, die Erreger hinausbefördern, und erhöht das Risiko für Atemwegsinfekte deutlich. Regelmäßiger Alkoholkonsum dämpft mehrere Teile der Abwehr.
Kurzer Stress mobilisiert die Abwehr, dauerhafter Stress bremst sie. In einer klassischen Studie im New England Journal of Medicine stieg das Erkältungsrisiko nach Viruskontakt mit dem Ausmaß an psychischem Stress stufenweise an. Ein Teil des Mechanismus läuft über das Stresshormon Cortisol, das Entzündungsreaktionen dämpft.
Für zehn Nährstoffe ist EU-weit anerkannt, dass sie zur normalen Funktion des Immunsystems beitragen: Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin D, Folat, Eisen, Kupfer, Selen und Zink. Entscheidend ist das Wort normal. Ein Mangel schwächt die Abwehr messbar – eine gute Versorgung hilft ihr, normal zu arbeiten. In Deutschland betrifft das in der Praxis vor allem Vitamin D im Winter, bei manchen Gruppen Zink und bei Frauen mit starker Menstruation Eisen.
| Nährstoff | Was Studien zeigen | Was weiter untersucht wird |
|---|---|---|
| Vitamin C | regelmäßig eingenommen etwa 8 % kürzere Erkältungen bei Erwachsenen; bei extremer körperlicher Belastung halbiertes Erkältungsrisiko | Effekte in der Allgemeinbevölkerung und bei Einnahme erst ab den ersten Symptomen |
| Zink | früh genommen etwa zwei Tage kürzere Erkältung | Schutz vor dem Erkranken |
| Vitamin D | Ausgleich eines Mangels; Beitrag zur normalen Immunfunktion | zusätzliche Effekte auf Atemwegsinfekte bei bereits guter Versorgung |
| Probiotika | in Studien etwas weniger Atemwegsinfekte | welche Stämme in welcher Menge helfen |
Ein Grund, warum der Darm in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht: Ein großer Teil der Immunzellen sitzt in der Darmschleimhaut. Wie diese Schleimhaut als Barriere funktioniert, erklärt der Ratgeber Leaky Gut und die Darmbarriere. Worauf es bei Probiotika ankommt, steht im Beitrag Probiotika: warum die Stammbezeichnung wichtiger ist als die Keimzahl.
Die Idee, das Immunsystem gezielt zu beeinflussen, ist älter als das Wort Immunsystem. 1796 übertrug der englische Landarzt Edward Jenner Material aus Kuhpocken auf einen Jungen und zeigte, dass dieser danach vor den echten Pocken geschützt war – die erste Impfung, benannt nach vacca, der Kuh.
Wie die Abwehr im Körper arbeitet, sah als Erster der russische Zoologe Élie Metchnikoff. 1882 stach er in Messina einen Rosendorn in eine durchsichtige Seesternlarve und beobachtete am nächsten Morgen, wie sich bewegliche Zellen um den Fremdkörper versammelt hatten. Er nannte sie Fresszellen, Phagozyten, und erhielt dafür 1908 gemeinsam mit Paul Ehrlich den Nobelpreis.
Die Begeisterung für Vitamin C geht auf einen weiteren Nobelpreisträger zurück. Linus Pauling, ausgezeichnet für Chemie und für Frieden, veröffentlichte 1970 das Buch Vitamin C and the Common Cold und empfahl Grammdosen gegen Erkältungen. Seine These löste Jahrzehnte intensiver Forschung aus – deren Ergebnisse fasst heute der Cochrane-Review zusammen.
Was heute untersucht ist: Die Bausteine des Immunsystems und die Rolle der einzelnen Nährstoffe sind gut verstanden. Im Alltag ist die Forschung anspruchsvoll, denn Erkältungen sind häufig, verlaufen unterschiedlich und lassen sich schwer zählen – sie wird laufend weitergeführt. Am robustesten sind die Daten zu Schlaf, Bewegung, Impfungen und zum Schließen von Nährstofflücken.
Kurzfristig am wirksamsten sind ausreichend Schlaf, Erholung bei ersten Symptomen und viel Flüssigkeit. Nährstofflücken schließt du am besten mit etwas Vorlauf – regelmäßig über Wochen.
Vitamin A, B6, B12, C, D und Folat tragen zur normalen Funktion des Immunsystems bei, dazu die Mineralstoffe Eisen, Kupfer, Selen und Zink. Entscheidend ist eine gute, regelmäßige Versorgung.
Vorbeugend: Schlaf, Bewegung, Händewaschen, Impfungen. Bei beginnender Erkältung kann Zink die Dauer etwas verkürzen. Regelmäßig eingenommenes Vitamin C verkürzt sie bei Erwachsenen um etwa 8 %.
Regelmäßig eingenommen verkürzte Vitamin C Erkältungen in Studien um etwa 8 %. Bei extremer körperlicher Belastung, etwa bei Marathonläufern, halbierte es das Erkältungsrisiko.
Belegt sind vor allem Schlaf, Bewegung und Händewaschen. Ingwer, Hühnersuppe, Echinacea und Kaltduschen sind beliebt und werden zur Infektabwehr weiter untersucht.
Regelmäßige moderate Bewegung ging in Studien mit deutlich weniger Krankheitstagen einher. Sehr lange, erschöpfende Belastungen erhöhen das Infektrisiko kurzfristig.
An ungewöhnlich häufigen, schweren oder lange anhaltenden Infekten oder an Infektionen mit ungewöhnlichen Erregern. Zwei bis drei Erkältungen im Jahr sind bei Erwachsenen normal.
Schlafmangel, Rauchen, viel Alkohol, chronischer Stress, Bewegungsmangel und Nährstoffmängel, besonders bei Vitamin D, Zink und Eisen. Dazu kommen Alter, bestimmte Erkrankungen und Medikamente.
Ein Mangel entwickelt sich über Wochen bis Monate und braucht ähnlich lange, um ausgeglichen zu werden. Deshalb ist der Herbst der sinnvolle Zeitpunkt, nicht die erste Erkältung im Januar.
Ja. Ein großer Teil der Immunzellen sitzt in der Darmschleimhaut, und die Darmflora steht in engem Austausch mit ihnen. In Studien gingen Probiotika mit etwas weniger Atemwegsinfekten einher, die Forschung dazu läuft.
Der Immun Komplex kombiniert die vier Nährstoffe, bei denen in Deutschland am ehesten Lücken entstehen und die zur normalen Funktion des Immunsystems beitragen: 300mg Vitamin C, 62,5µg Vitamin D3 (2.500 IE), 10mg Zink als Bisglycinat und 55µg Selen, dazu 101,76µg Vitamin K2 als MK-7. MCT aus Kokosnussöl dient als Träger für die fettlöslichen Vitamine. Eine Kapsel täglich zu einer fetthaltigen Mahlzeit.
Der Darm Komplex setzt am Darm an: 13 namentlich benannte Bakterienstämme mit 30 Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Tagesdosis in magensaftresistenten Kapseln, dazu 5mg Zink, das zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.
Beide ergänzen Schlaf und Bewegung ideal: Sie decken den Teil ab, den die Ernährung im Winter oft nicht schafft. Beide findest du unter Nahrungsergänzung für die Abwehr.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.